Der erste (komplette) Tag auf See: Hibakusha

Die 80. Global Voyage des Peace Boats ist gleichzeitig auch die sechste „Global Voyage for a Nuclear-Free World – Peace Boat Hibakusha Project“. Dieses Projekt fand 2008 zum ersten Mal statt und bis Ende 2012 sind insgesamt 142 Hibakusha (Überlebende der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki) auf dem Peace Boat mitgefahren, um sowohl an Bord als auch in bestimmten Häfen ihr Zeugnis über die Atombombenabwürfe abzulegen. Dieses Mal sind neun Hibakusha aus beiden Städten an Bord des Peace Boat. Sie alle wurden von der japanischen Regierung zu „Special Communicators for a World Without Nuclear Weapons“ ernannt und sie möchten ihre Geschichte an jüngere Generationen weiter geben und somit die Welt über die katastrophale Zerstörungskraft von Atombomben informieren.

(c) Stacy Hughes

Beim Betreten des Raums, in dem unser Treffen mit den Hibakusha statt fand, fielen unsere Blicke auf die dort ausgestellten Bilder und Zeichnungen, welche das Geschehen von Hiroshima und Nagasaki dokumentieren. Bereits zu diesem Zeitpunkt war eine tiefe Betroffenheit zu spüren.

Tsuboi Susumu aus Hiroshima

Tsuboi Susumu aus Hiroshima war zum Zeitpunkt des Bombenabwurfs 17 Jahre alt. Er zeigte uns anhand von Bildern seine Nachbarschaft vor und nach dem Abwurf. Neben diesen sichtbaren materiellen und gesundheitlichen Zerstörungen, sind es die Ängste vor sozialer Ausgrenzung, die die Hibakusha zum Schweigen zwangen. So standen künftige Ehepartner und deren Familien einem Hibakusha sehr kritisch bis ablehnend gegenüber. Außerdem dauerte es sehr lange, bis die Regierung die Strahlungsschäden als Krankheit betrachtete und die Hibakusha mit besonderen Gesundheitspässen ausstattete. Doch viele der Hibakusha weigerten sich, diese Pässe zu benutzen – aus Angst vor einer weiteren sozialen Ausgrenzung.

Als wir den Hibakusha zuhörten, waren wir über ihre Offenheit und Ehrlichkeit erstaunt und dankbar. Erstaunt, weil es für uns unvorstellbar ist, wie schrecklich es sein muss, diese schlimmen Ereignisse wieder und wieder durchleben zu müssen. Dankbar, weil es immer noch Länder gibt, welche es für erstrebenswert halten, Atomkraftwerke zu installieren oder die Nutzung der Atomenergie auszuweiten.

Die Hibakusha sind Zeugen der Grausamkeit des Krieges. Diese Wunden jedoch besiegen sie durch ihren Einsatz für eine friedlichere Welt. Ihr Mut und ihr Engagement sind vor allem angesichts ihres Alters und Gesundheitszustandes höchst bewundernswert. (AF/RM)

 

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