Workshop zu Atomenergie/Atomwaffen

Unsere Reise mit dem Peace Boat lebt davon, dass wir verschiedene Länder besuchen und dort mit Menschen in Konfliktsituationen und denen, die sich für sie engagieren, direkt in Kontakt treten. Unser erster Tag auf See, am 19. August hat uns allerdings auch gezeigt, dass das Peace Boat selbst eine Art schwimmenden Kontinent darstellt. An diesem ersten Tag auf See hatten wir deshalb ein volles Programm (erstes Treffen mit den IranerInnen, Mizuan (Vorstellungsrunde für die JapanerInnen), Japanese Cultural Introduction, Treffen mit den Hibakusha und nicht zuletzt die  Salsa-Party).

Der darauffolgende Tag – unser vierter auf dem Peace Boat – begann ebenfalls mit einem Treffen, genauer mit dem von uns geleiteten Workshop zu Atomenergie und Atomwaffen.

Ai spricht über Fukushima

Als Einstieg hielt Ai, eine Peace Boat-Mitarbeiterin, einen kurzen Vortrag über die Folgen des Reaktorunglücks in Fukushima. Sie selbst kommt aus der Präfektur Fukushima und berichtete von der Unsicherheit in den Monaten nach dem Unglück, als in den japanischen Nachrichten keine verlässlichen Informationen über die Gefahr der Verstrahlung außerhalb eines Radius von 20 km verfügbar waren, obwohl in bis zu einem Radius von 50 km nukleare Hotspots messbar waren. Sie hat deshalb zunächst ihren Wohnort verlassen und ist nach Osaka gegangen. Noch heute macht sie sich Sorgen um ihre Kinder, da die japanische Regierung den jährlich zulässigen Wert der Strahlung, der Personen ohne gesundheitliche Folgen ausgesetzt sein können, nach dem Unglück auf 20 msv pro Jahr erhöht hat (damit liegt er 20 mal so hoch wie der Richtwert der IAEA).

(c) Stacy Hughes

Nach dieser sehr persönlichen, berührenden Einführung stellten die iranischen Studierenden klar, dass große Teile der iranischen Bevölkerung auf Irans Recht zur friedlichen Nutzung der Atomenergie bestehen. Die Mitglieder der iranischen Delegation hingegen wünschen größtenteils eine vollständige Abkehr von der Atomenergie. Um die Basis für die folgenden Kleingruppengespräche zu schaffen, haben wir daraufhin einen kurzen Überblick über den deutschen Umgang mit Atomwaffen und Atomenergie gegeben und uns dabei auf Widersprüche im Umgang mit Atomwaffen (nukleare Sprengköpfe der US-Armee in Deutschland), den Atomausstieg und den Streit um ein Atomendlager konzentriert.

Anschließend haben wir in gemischten Kleingruppen diskutiert, ob wir Atomenergie weiter brauchen, ob Staaten ein Recht auf die Nutzung der Atomenergie und von Atomwaffen haben und ob ein Verbot von Atomwaffen (Global Zero) möglich und sinnvoll ist. Zwar waren wir uns alle einig, dass wir eine atomwaffenfreie Welt anstreben möchten und dass die Nutzung der Atomenergie wenn überhaupt nur eine Zwischenlösung darstellen kann. Über die Frage, wie wir diese Ziele konkret erreichen können, wurde allerdings hitzig diskutiert. Eine zufriedenstellende Antwort konnten wir hierfür nicht finden, allerdings hat uns die Diskussion mit IranerInnen und JapanerInnen neue Perspektiven eröffnet. Einerseits waren wir uns einig, dass kein Staat das Recht auf die Nutzung von Atomenergie haben sollte. Andererseits argumentierten die IranerInnen, durchaus nachvollziehbar, dass Iran derzeit ungerecht behandelt wird: Deutschland und Japan konnten die zivile Nutzung der Atomenergie bereits „ausprobieren“ und mit der Zeit zu dem Schluss kommen, dass es ungefährlichere und bessere Energiequellen gibt. Iran hingegen hatte diese Möglichkeit nicht und wehrt sich deshalb nun dagegen, dass andere Staaten ihm diese Möglichkeit nehmen wollen. Außerdem wird in Iran in der Öffentlichkeit nur über die Vorteile der Atomenergie berichtet, wodurch viele Menschen nichts über deren Gefahren wissen. In Japan hingegen unterstützen viele die Nutzung der Atomenergie, da ein Abschalten aller AKW viel Geld und vor allem viele Arbeitsplätze kosten würde.

Wir hätten sicher alle noch viele Stunden lang weiter diskutieren können, doch kurz nach der Mittagspause stand schon der nächste Termin an: Das Treffen mit dem Jesuit Refugee Service in Valetta. (AF/SV)

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