Der zweite (komplette) Tag auf See: Dealing with the past

„Dealing with violent past in Germany“

Unser zweiter Tag auf See begann mit dem Vortrag von Prof. Hasenclever zur Rolle von Religion in bewaffneten Konflikten. Anschließend stand mittags unsere Präsentation zur deutschen Vergangenheitsbewältigung auf dem Programm.

Nach einem kurzen historischen Überblick zur deutschen Geschichte seit 1933 konzentrierten wir uns in vier Gruppen auf die Auswirkungen der deutschen Vergangenheit auf unsere Generation: Müssen wir uns heute noch schuldig fühlen für etwas, mit dem wir nichts zu tun hatten? Sind wir als Deutsche automatisch schuldig?

(c) Stacy Hughes

Dürfen wir stolz auf unser Land sein? Wieso haben wir solche Hemmungen, unsere Flagge selbst bei so harmlosen Ereignissen wie der Fußballweltmeisterschaft zu zeigen? Wie wird die deutsche Außenpolitik, v.a. in Bezug auf Rüstungsexporte und Militäreinsätze, von unserer Vergangenheit beeinflusst?

Wie wird das Thema Nationalsozialismus aufgearbeitet? Und wie gehen wir damit um, dass es in Deutschland immer noch Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus gibt?

Wie tragen unterschiedliche lokale, nationale und internationale Dialoge dazu bei, dass etwas so schreckliches nie wieder geschehen kann?

Abends stellten wir uns in einer Question & Answer-Runde den Fragen und Anmerkungen unserer Zuhörer. Die Reaktionen auf unsere Präsentation waren durchweg positiv und wir stellten fest, dass es zwischen Japan und Deutschland einige Gemeinsamkeiten gibt. So ist zum Beispiel auch in Japan das Flagge-Zeigen ein kontrovers diskutiertes Thema. Viele interessierte außerdem die deutsche Haltung zu Israel und der Palästinenserfrage: Warum kommt aus Deutschland so selten (und wenn, dann nur harmlose) Kritik an der israelischen Politik? Wie ist die Meinung dazu in der deutschen Gesellschaft? Aber auch für uns war es ein interessantes Treffen, da es uns die Möglichkeit bot, einigen japanischen Passagieren und den Hibakusha, die sich unsere Präsentation angehört hatten, Fragen zu Japans Umgang mit der eigenen Vergangenheit zu stellen. (AF)

Japans Umgang mit seiner Vergangenheit

Während unseres Vorbereitungsseminars in Deutschland haben wir uns auch eingehend mit Vergangenheitsaufarbeitung in Japan beschäftigt. Bereits da mussten wir feststellen, dass es im Vergleich zu Deutschland einige Unterschiede gibt. Denn eine kollektive Aufarbeitung der Kriegsvergangenheit gab es in Japan nie. Wichtig ist es hierbei zwischen Japan als „Opfer“ und Japan als „Täter“ zu unterscheiden: Japan ist zum einen Opfer der amerikanischen Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki und zum anderen Täter durch seine Besatzerrolle in Ostasien.

Die Hibakusha erzählten uns, wie wichtig es für sie ist, ihre Erlebnisse und ihr Schicksal anderen mitzuteilen, damit die jüngeren Generationen davon lernen und niemals vergessen. Gleichzeitig bemängelten sie und viele andere Japaner an Bord auch, dass der Täterrolle Japans zu Beginn und Mitte des 20. Jahrhunderts zu wenig Raum in der Gesellschaft gegeben wird.  Zum Beispiel widmen japanische Schulbücher der Kolonisierung Koreas und den damit verbundenen Gräueltaten nur wenige Zeilen, wobei Südkoreanische Schulbücher dieses Thema auf mehreren Seiten behandeln. Dies zeigt, wie wenig Japan die Opfer seiner Taten anerkennt und den Fokus der geschichtlichen Schulbildung auf seine Opferrolle legt.

Obwohl es bereits viele Projekte gibt, um die japanische Kriegsvergangenheit aufzuarbeiten, ist ein Wandel des schulischen Geschichtsunterrichts kaum in Sicht. So existiert zum Beispiel ein gemeinsames, japanisch-koreanisch-chinesisches, Geschichtsbuch, allerdings wurde es nicht verpflichtend in den Lehrplan aufgenommen. Jeder Lehrer muss selbst entscheiden, ob er es benutzen möchte oder nicht.

Aus unserer Sicht hingegen ist es nötig, dass eine Gesellschaft sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt und diese kritisch aufarbeitet, wie es in Deutschland geschehen ist, denn nur so kann eine Gesellschaft langanhaltenden Frieden finden. (BN)

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